Mit unermüdlichem Teamgeist für die Menschen da

„Sie alle haben sich im vergangenen Jahr wieder mit unermüdlichem Teamgeist und nimmermüder Motivation um die Menschen mit Behinderung verdient gemacht, die sich uns anvertraut haben.“ Dr. Georg Hanens Dank bei der Mitgliederversammlung der Lebenshilfe Main-Spessart galt einer Belegschaft, die sich tagtäglich mit großem Engagement den vielfältigen Herausforderungen in allen Bereichen stellt.

Personal und Finanzen bleiben Kernthemen

Wie in den vergangenen Jahren standen auch diesmal die Themen Personal und Finanzen im Mittelpunkt. Der demografische Wandel sorgt in der gesamten Branche weiterhin für Engpässe bei der Versorgung mit Fachpersonal. „Zum Glück sind wir davon weniger stark betroffen als verschiedene andere Lebenshilfen im Freistaat – was auch an der hohen Einsatzfreude und dem Teamgeist in unserer Belegschaft liegt“, betonte Dr. Hanen.

Gleichzeitig weiß der Vorsitzende um die zentrale Bedeutung qualifizierter Fachkräfte. Eine vom neuen Geschäftsführer Rüdiger Hohe angestoßene Mitarbeiterbefragung soll daher wertvolle Hinweise liefern, wo Verbesserungen möglich sind. Die Ergebnisse werden in konkrete Maßnahmen münden, um Arbeitsbedingungen weiter zu optimieren und die Attraktivität als Arbeitgeber zu stärken.

Solide, aber angespannte Finanzlage

Die finanzielle Situation bleibt herausfordernd. Dennoch konnte Vorstandskollege Herbert Schuhmann für das Jahr 2024 einen positiven Jahresüberschuss von 20.000 Euro vermelden. „Das klingt viel, ist aber für uns sakrisch wenig“, stellte er klar. Trotz Zuschüssen und Unterstützungen müsse die Lebenshilfe häufig in Vorleistung gehen und daher besonders auf ihre Liquidität achten.

2024 sei zudem ein Hochinflationsjahr gewesen – gerade auch im Bereich der Personalkosten. Für 2025 rechnet der Kassenwart zwar erneut mit schwarzen Zahlen, doch für größere Investitionen bleibe kaum Spielraum. „Jammern können wir uns nicht leisten“, so Schuhmann. Die beiden Kassenprüfer Georg Lesch und Norbert Schraut bescheinigten eine einwandfreie Kassenführung, die Vorstandschaft wurde einstimmig entlastet.

Positive Entwicklungen und neue Projekte

Geschäftsführer Rüdiger Hohe konnte in seinem Rückblick zahlreiche positive Entwicklungen hervorheben: ein inklusives Basketballprojekt gemeinsam mit dem TSV Lohr, Baumpflanzaktionen in Marktheidenfeld und Tiefenthal, die Teilnahme am Drachenbootrennen in Marktheidenfeld mit dem ersten Inklusionsboot der Lebenshilfe, und eine neu gestaltete Website. Besonders hervorzuheben sind auch großzügige Spenden, die neben der Erneuerung des in die Jahre gekommenen Fuhrparks auch dringend benötigte Renovierungen und Ausbesserungen der Tagesstätte ermöglicht haben.

Offene Hilfen: Hoher Beratungsbedarf

Die Offenen Hilfen verzeichneten im Jahr 2025 Beratungskontakte zu rund 800 Familien im Landkreis Main-Spessart, berichtete deren Leiter Stephan Gleiter. 280 Familien wandten sich erstmals an das Team. Themen waren unter anderem Neuerungen in der Pflegeversicherung. Insgesamt betreuen die Offenen Hilfen rund 600 Familien mit verschiedenen Unterstützungsangeboten.

Der Beratungsbedarf steigt kontinuierlich. Im Freizeit- und Bildungsbereich wurden zahlreiche regelmäßige Angebote organisiert – von Offenen Treffs über Kegeln und Tagesausflüge bis hin zu Kultur- und Sportveranstaltungen. Hier ist insbesondere unter der Woche eine rückläufige Tendenz zu beobachten. Gleichzeitig wurden 38 Ferienangebote organisiert – mit steigender Nachfrage.

Monatlich nutzen 265 Familien die Einzelbetreuung, 140 Neuvermittlungen konnten realisiert werden. Viele Anfragen mussten jedoch mangels Ehrenamtlicher abgelehnt werden. Auch in der Schulbegleitung – mit 52 betreuten Kindern im vergangenen und 44 im aktuellen Schuljahr – führten Personalmangel und begrenzte Kapazitäten zu Absagen. „Ohne die Ehrenamtlichen würde es uns nicht geben“, betonte Gleiter.

Tagesstätten: Volle Belegung und steigende Anforderungen

Die Tagesstätten in Karlstadt und Gemünden, angegliedert an das Leo-Weismantel-Förderzentrum, besuchen derzeit 106 Kinder und Jugendliche zwischen drei und 16 Jahren in elf Gruppen. Alle Plätze sind belegt, Wartelisten bestehen. 35 pädagogische und therapeutische Mitarbeitende kümmern sich um Betreuung, Förderung und Therapie. Gesucht wird aktuell eine Physiotherapeutin bzw. ein Physiotherapeut für 32 Wochenstunden.

Finanziell arbeiten einige Bereiche mit Defizit, da Pflegesätze nur für anwesende Kinder abgerechnet werden können. Besonders in den Wintermonaten führen hohe Krankenstände zu Einnahmeausfällen. Hinzu kommen Sparmaßnahmen des Bezirks Unterfranken, höhere bürokratische Hürden und längere Bearbeitungszeiten bei Anträgen. Trotz aller Widrigkeiten betont Leiterin Christine Siegmund: „Wir sind ein starkes Team.“

Förderzentrum mit wachsendem Unterstützungsbedarf

Im Sonderpädagogischen Förderzentrum Leo-Weismantel-Schule in Trägerschaft der Lebenshilfe und des Landkreises Main-Spessart werden 220 Kinder und Jugendliche betreut, berichtete Schulleiter Johannes Teichmann. Das Zentrum verzeichnet vermehrt Kinder mit hohem sonderpädagogischem Förderbedarf, insbesondere in den ersten Jahrgangsstufen. Der digitale Ausbau bleibt ein Dauerthema. Neben der schulischen Förderung bis zum Abschluss leistet das Förderzentrum über mobile Dienste auch Unterstützung an allgemeinen Grund- und Mittelschulen.

Wohnen: Voll belegt und stark gefordert

Im Bereich Wohnen gibt es derzeit zwei freie Plätze im Wohnheim in Steinbach, die anderen Wohnheime sind belegt, berichtete Bereichsleiter Christoph Mill. Im Wohnheim Steinbach werden aktuell im laufenden Betrieb mehrere Doppelzimmer in Einzelzimmer umgebaut. Mill lobte ausdrücklich das Engagement der Mitarbeitenden, die Planung und Umsetzung gemeinsam mit den Bewohnerinnen und Bewohnern stemmen.

Hohe Krankenstände sowie eine zunehmende Zahl älterer und pflegeintensiver Bewohnerinnen und Bewohner belasten das Personal zusätzlich.

Im Ambulant Unterstützten Wohnen (AUW) leben derzeit 45 Klientinnen und Klienten. Nachdem die Wohngemeinschaft AUW 3.0 im Jahr 2024 eine Wohnung in Marktheidenfeld bezogen hat, wird intensiv an einer weiteren Wohngemeinschaft im Raum Lohr gearbeitet.

Auch Urlaubsfahrten wurden wieder angeboten und gerne angenommen. „Sie möchten auch wegfahren und Zeit genießen“, so Mill, der sich ausdrücklich bei allen Mitarbeitenden bedankte, die diese Angebote ermöglichen.

Gemeinsam stark in herausfordernden Zeiten

Die Mitgliederversammlung machte deutlich: Die Herausforderungen sind groß – personell, finanziell und strukturell. Doch ebenso groß sind Engagement, Zusammenhalt und Innovationsbereitschaft innerhalb der Lebenshilfe Main-Spessart. Mit Teamgeist, Verantwortungsbewusstsein und einem klaren Bekenntnis zur Unterstützung von Menschen mit Behinderung blickt der Verein trotz aller Widrigkeiten zuversichtlich in die Zukunft.

Das Foto zeigt die Anwesenden der Mitgliederversammlung der Lebenshilfe MSP
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