Epilepsie erkennen und richtig handeln
Was genau ist Epilepsie? Welche Formen gibt es – und wie kann man im Notfall richtig helfen? Mit diesen und vielen weiteren Fragen beschäftigte sich die Fortbildung im Lebenshilfe-Haus in Wombach. Auf Einladung der Offenen Hilfen der Lebenshilfe Main-Spessart referierte Simone Fuchs von der Juliusspital Epilepsieberatung Unterfranken vor 29 interessierten Teilnehmenden.
Das Publikum setzte sich aus Angehörigen von Betroffenen, pädagogischen Fachkräften sowie haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden der Lebenshilfe zusammen. Alle nutzten die Gelegenheit, sich fundiert über das Krankheitsbild Epilepsie zu informieren – und gleichzeitig eigene Erfahrungen und Fragen einzubringen.
Vielschichtiges Krankheitsbild – differenzierte Aufklärung
Epilepsien gehören zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen. Etwa zehn Prozent aller Menschen erleben im Laufe ihres Lebens mindestens einmal einen epileptischen Anfall. Von einer Epilepsie im medizinischen Sinne spricht man jedoch erst, wenn wiederholt Anfälle auftreten – das betrifft knapp ein Prozent der Bevölkerung.
In ihrem Vortrag erklärte Simone Fuchs anschaulich, wie unterschiedlich epileptische Anfälle aussehen können. Die Bandbreite reicht von kurzen Bewusstseinsstörungen oder Momenten der Abwesenheit bis hin zu schweren generalisierten Anfällen mit Bewusstlosigkeit und Krampfbewegungen.
Neben den verschiedenen Anfallsformen ging sie auch auf mögliche Ursachen, Entstehungsmechanismen und typische Auslöser ein. Dazu können beispielsweise Schlafmangel, Stress, flackerndes Licht oder bestimmte gesundheitliche Belastungen gehören. Ebenso wurden wichtige Aspekte wie Anfallsbeobachtung, diagnostische Untersuchungsmethoden sowie moderne Behandlungsmöglichkeiten erläutert.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem Zusammenhang zwischen Epilepsie und Behinderung sowie auf dem individuellen Krankheitserleben der Betroffenen. Fuchs machte deutlich, dass viele Menschen mit Epilepsie – mit der richtigen medizinischen Behandlung und Unterstützung – ein selbstbestimmtes Leben führen können. Auch praktische Hilfsmittel und Unterstützungsangebote wurden vorgestellt.
Praktisches Wissen für den Ernstfall
Besonders großes Interesse fand der Teil der Fortbildung, der sich mit der richtigen Ersten Hilfe bei einem epileptischen Anfall beschäftigte. Viele Menschen sind in einer solchen Situation zunächst unsicher. Umso wichtiger ist es, grundlegende Handlungsschritte zu kennen.
Die Referentin erklärte, worauf es im Ernstfall ankommt: Ruhe bewahren, die betroffene Person vor Verletzungen schützen und nach dem Anfall für eine sichere Seitenlage sorgen. Ebenso wichtig ist es zu wissen, welche Maßnahmen nicht sinnvoll sind – etwa etwas zwischen die Zähne zu stecken oder krampfartige Bewegungen festhalten zu wollen.
Durch anschauliche Beispiele und praxisnahe Tipps erhielten die Teilnehmenden wertvolle Sicherheit für den Umgang mit möglichen Notfallsituationen.
Verständnis statt Angst
Zum Ende der Veranstaltung wurde eine Frage gestellt, die viele Menschen beschäftigt: Stimmt es, dass bei einem epileptischen Anfall viele Gehirnzellen absterben? Simone Fuchs konnte hier beruhigen. Ein Anfall führt in der Regel nicht zu einem nennenswerten Verlust von Nervenzellen. Mit einem anschaulichen Vergleich erklärte sie: „Es sterben dabei nicht mehr Gehirnzellen ab, als wenn man ein Glas Wein trinkt.“
Unterstützung für Betroffene und Angehörige
Die Fortbildung im Lebenshilfe-Haus Wombach zeigte eindrucksvoll, wie wertvoll Wissen, Austausch und Sensibilisierung in diesem Bereich sind. Sie fand im Rahmen des Programms der Offenen Hilfen der Lebenshilfe Main-Spessart statt, das durch das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales gefördert wird.

