Laufen verbindet – Begegnugen, die bleiben

Beim „2. Lauf der Vielfalt und Begegnung“ ging es nicht um Bestzeiten oder sportliche Höchstleistungen. Viel wichtiger war das gemeinsame Erlebnis. Rund 220 Läuferinnen und Läufer machten sich in Marktheidenfeld auf der Martinswiese auf die etwa dreieinhalb Kilometer lange Strecke – Menschen unterschiedlichen Alters, mit verschiedenen Hintergründen und ganz unterschiedlichen Voraussetzungen.

Ein Zeichen für Vielfalt, Respekt und Zusammenhalt

Organisiert wurde die Veranstaltung von Ricky Böhm-Hennes vom Sportfachgeschäft „Rickys Sport Treff“ in Zusammenarbeit mit den Mainfränkischen Werkstätten. Ihr Ziel: Menschen zusammenzubringen. Unabhängig davon, woher sie kommen, ob sie sportlich sind oder mit Einschränkungen leben. Der Lauf sollte zeigen, dass Gemeinschaft stärker ist als Unterschiede – ein sichtbares Zeichen für Vielfalt, Respekt und Zusammenhalt.

Die Strecke war bewusst niedrigschwellig gewählt: flach, überschaubar und für möglichst viele zugänglich. Vom Start an der Martinswiese führte der Weg über die neue Mainbrücke auf die gegenüberliegende Mainseite. Von dort liefen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf dem Rad- und Fußweg zurück zur alten Mainbrücke und schließlich wieder zur Festwiese, wo das Ziel wartete.

Am Ende kamen alle gesund, zufrieden im Ziel an

Schon vor dem Start war die Atmosphäre von Vorfreude und Offenheit geprägt. Besonders stark vertreten war die Lebenshilfe Main-Spessart. Über 30 Bewohnerinnen und Bewohner der Wohnheime Grautal in Gemünden und Marktheidenfeld sowie der Wohngemeinschaft Marktheidenfeld gingen gemeinsam mit Mitarbeitenden und Helfern an den Start. Viele von ihnen waren im Vorfeld etwas aufgeregt, aber auch zuversichtlich, die Strecke gut zu bewältigen. Und tatsächlich: Am Ende kamen alle gesund, zufrieden und mit strahlenden Gesichtern im Zielbereich an.

Christian aus dem Wohnheim Grautal nahm die Herausforderung gelassen. „Ich bin viel in Gemünden unterwegs, mir ist nicht bange, ich kann das laufen“, sagte er vor dem Start. Auch Dominik, der täglich vom Wohnheim Grautal in Gemünden zum Bahnhof läuft, um zur Arbeit in der „Grünen Gruppe“ der Mainfränkischen Werkstätten zu kommen, war sich sicher: „Das schaffe ich“.

Gänsehautmoment als Bianca über die Ziellinie geht

Für einen besonderen Moment sorgte Bianca. Sie sitzt im Rollstuhl und wurde auf der Strecke hauptsächlich von Holger geschoben. Gemeinsam mit Holger näherte sie sich dem Ziel, kurz zuvor hatten die beiden eine spontane Entscheidung getroffen: Bianca wollte die letzten Meter zu Fuß zurücklegen. Gesagt, getan. Sie schob sich aus ihrem Rollstuhl, nahm ihre Krücken und ging die letzten Schritte selbst über die Ziellinie. Ein Gänsehautmoment – begleitet von langem, begeistertem Applaus.

Cornel flitzte wie ein Wiesel und genoss den verdienten Applaus

„Wir wollten alle mitmachen, sogar als es klar war, dass wir dazu früh aufstehen müssen“, erzählt Lorraine Lummel, Leiterin des Wohnheims Grautal, denn bereits um 8.30 Uhr hieß es Abfahrt nach Marktheidenfeld.

Auch Cornel ließ sich vor dem Start nicht viel entlocken. „Schaun mir mal“, meinte er nur knapp. Doch auf der Strecke zeigte er, was in ihm steckt: Wie ein Wiesel flitzte er später über die Ziellinie und genoss den Applaus sichtlich.

„Wir haben es gemeinsam geschafft“

Groß war der Stolz auch bei Katharina Wollbeck vom Wohnheim Marktheidenfeld. „Sie sind alle voll super gelaufen“, lobte sie ihre Bewohnerinnen und Bewohner. Lisa und Barbara liefen Hand in Hand ins Ziel und strahlten über das ganze Gesicht – glücklich darüber, es gemeinsam geschafft zu haben.

Am Ende stand fest: Jeder und jede hatte die Strecke nach den eigenen Möglichkeiten bewältigt. Genau das war die Idee dieses besonderen Laufs.

„Ich bin so stolz auf die Truppe“, sagte Lorraine Lummel – und kündigte schon an: „Wir kommen wieder.“

Auch Lebenshilfe-Geschäftsführer Rüdiger Hohe, der gemeinsam mit seinem Sohn Alexander teilgenommen hatte, zeigte sich begeistert. „Ich bin superstolz auf alle, die mitgelaufen sind – das haben sie toll gemacht.“

„Wir waren alle Sieger der Herzen“

Vielleicht brachte Marie den Geist des Tages am treffendsten auf den Punkt. In ihrem Elektrorollstuhl unterstützte sie ihre Mitbewohnerinnen und Mitbewohner und sagte am Ende mit einem Lächeln: „Egal wie schnell wir waren – wir waren alle Sieger der Herzen.“

Dr. Georg Hanen (links) Vorsitzender des Lebenshilfe-Vereins und Lebenshilfe-Geschäftsführer Rüdiger Hohe (rechts) dankten Josef Blenk (Mitte) für 50 Jahre Treue zur Lebenshilfe Main-Spessart.
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